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Bis zum Mond und wieder zurück: Kinder- und Familienfotografie

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Egal, was kommt.

Der Plan ist einfach. Von A nach B. Dazwischen: alles, was im Weg steht. Man zieht eine gerade Linie auf einer Karte und bewegt sich von einem Punkt zum anderen. Wie Du dort hinkommst? Das musst Du selbst herausfinden. Denn der direkte Weg ist selten frei. Das ist die Philosophie.

 

Wie alles anfing

Das erste Mal, dass ich von Parkour erfahren habe, war beim Film „Yamakasi – Die Samurai der Moderne“. Das war im Jahr 2001. Später sah ich es auch in der beeindruckenden Eröffnungssequenz von Casino Royale. Daniel Craig jagt Sébastien Foucan über eine Baustelle. Sébastien Foucan ist tatsächlich ein französischer Extremsportler, der für Parkour bekannt ist. Es sieht in beiden Fällen beeindruckend aus. Menschen, die an Gebäuden hochklettern. In Höhen unterwegs sind, in denen nur ein präziser Sprung über die Unversehrtheit entscheidet. Übung macht den Meister, so viel ist sicher. Springen. Klettern. Balancieren. Fallen. Wieder aufstehen. Und dann weitermachen.

Mehr als zwanzig Jahre später erlebe ich Parkour erneut. Dieses Mal nicht auf einer Leinwand. Alles fing mit einem Hörbuch an, in dem Lio von Parkour erfuhr. Und dann kam auch schon die Frage: »Mama, kann ich das mal machen?« So führte der Weg schnell für Dani und Lio zum Probetraining bei ParkourONE. Bis heute ist es der Sport, der Lio (8) am meisten fesselt. Jede Woche nimmt er am Training teil. Unermüdlich – egal, was kommt.

 

Fontainebleau

Im Sommer 2025 ist ParkourONE mit seinen Mitgliedern im französischen Fontainebleau. Es ist ein fester Termin, der seit Jahren jährlich stattfindet, immer so gelegt, dass alle Bundesländer, die Schweiz und Österreich gleichzeitig Ferien haben. Dann wird eine Fläche auf einem Campingplatz gebucht. Für mich ist es das erste Mal, dort zu sein und das zu erleben. In und um Fontainebleau gibt es natürliche Felsformationen, an denen Kids, Jugendliche und Erwachsene sich selbst gestellten Herausforderungen stellen.

Da steht plötzlich ein meterhoher Stein, mitten im Wald. Also kletterst Du darüber. Eine Lücke im Felsblock. Also springst Du. Etwas ist zu hoch, zu weit, zu schwierig. Du suchst Dir einen Weg.

Und vielleicht ist es genau das, was Parkour so faszinierend macht. Es geht nicht darum, dass keine Hindernisse da sind. Es geht darum, weiterzukommen, obwohl sie da sind. Für Kinder ist das vielleicht das perfekte Werkzeug fürs Leben. Aber vielleicht auch einfach ein riesiger Spielplatz.

 

Andere Strategien

Ich bin als Vater von zwei Kids vielleicht der Gegenentwurf. Nicht unbedingt ein Vorbild. Tage fangen um 03:00 Uhr nachts an und wollen einfach nicht enden. Da sind Millionen Verpflichtungen, Deadlines und kaum Momente zum Durchatmen. Dazu kommt, dass man sich in Sachen Erziehung permanent wiederholt. Eigentlich jede Aufforderung und Bitte wiederholt man als Elternteil – gefühlt zwei Millionen Mal ein Kind zum Zähneputzen bewegen. Vielleicht kennt das jemand von euch da draußen? Gibt es da einen Club?

Meine Strategie, um mit Belastungsgrenzen klarzukommen, besteht daraus, abends Binge-Eating zu betreiben – sprich, zusätzlich zu den zwei anderen Mahlzeiten des Tages noch etwa 5000 kcal in mich zu jagen. Im schlimmsten Fall kommen noch 25 Zigaretten und ein Drink dazu. Wer noch nie abends eine Flasche Wein oder einen Becher Häagen-Dazs aufgemacht hat, um den Stress zu töten, werfe den ersten Stein. Gleichzeitig bin ich auch jemand, der dann zwischendurch auf dem Rennrad an die andere Belastungsgrenze geht. (Falls jemand einen guten Therapeuten oder Therapeutin mit freien Terminen kennt: immer gerne – mail@biszummondundwiederzurueck.de) Was ich sagen will: Ich komme von A nach B. Aber mit viel mehr sinnlosem Umweg und einem Lungenvolumen, das immer wieder abnimmt, während der Körperfettanteil rauf- und runtergeht. Der Mensch, der mich am längsten kennt, sagte mal: «Ich bin ein Mann der Extreme.» Das stimmt wahrscheinlich. Das Leben dazwischen ist halt schwierig für mich.

 

Was bleibt

Ich fand es beeindruckend, diese Kids zu sehen. Sie turnten mit ihrem Swagger durch Wälder und Steinflächen, mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit. Am schönsten waren die Momente, in denen sie sich gegenseitig festhielten, um weiterzukommen oder um niemanden stürzen zu lassen. Das waren wirklich schöne Momente. Dieses Gefühl von Teamgeist und Gemeinschaft wirklich zu sehen, hat in mir etwas bewegt. Ich habe Familien gesehen, wo inzwischen drei Generationen Parkour machen und für die Fontainebleau seit Jahren ein fester Punkt im Jahr sind. Es ist einfch schön, wie eine Sportart so viel Begeisterung auslöst und Menschen nicht mehr loslässt.

Es gab diese Momente abends auf dem Zeltplatz am Lagerfeuer, wo zwischen all den Teilnehmern ein. Ritual entstanden ist. Es findet nur an einem Abend statt. Ich will nicht zu viel Spoilern. Alle Insider wissen, was ich meine.  Es ieß mich daran denken, wie wohl all diese Religionen und spirituellen Ansichten entstanden sind. An diesem einen Abend ist es dann irgendwo mega lustig und man hört so viel Kichern. Aber es lässt einen auch nachdenken, wenn der Zermonienmeister (ja, auch das gibt es) Johnannes in die Dunkelheit mit der Reflexion des Lagerfeuer fragt »Bist Du es würdig?« Sogar das Lagerfeuer leuchtete auf mysteriöse Art in den buntesten Farben. Also ist da mehr in diesem Universum, als das Auge sieht.

Im Sommer 2025 hatte ich meine Kamera dabei und habe in diesen Tagen in Fontainebleau fotografiert. Allerdings waren Dani und ich auch mit unserem elf Monate alten Baby unterwegs, also habe ich fotografiert, wie es eben ging. Ich wusste aber schon damals, dass ich im folgenden Jahr eine richtige Fotoreportage machen würde. Während ich im Sommer 2025 ironischerweise ein Streichholz in mein eigenes Leben geworfen habe, warf im Sommer 2026 ein 19-jähriger Feuerwehrmann ein Streichholz in den Wald um Fontainebleau. Eine schockierende Nachricht. Ein komplettes Ökosystem ist dabei zerstört worden. Es dauert Jahrzehnte, bis sich die Natur davon erholt. Auch alle, die dort Parkour trainierten oder an den Felsen boulderten, können vorerst nicht mehr dorthin. C’est la vie? Auf jeden Fall richtig merde.

Es tut mir leid, dass so viele Menschen dort wochenlang gegen die Flammen kämpfen mussten – und dass zu den Problemen, die der Klimawandel ohnehin mit sich bringt, auch noch solche sinnlosen Taten hinzukommen.

Und vielleicht ist genau das die bitterste, ehrlichste Bestätigung dessen, was ich am Anfang beschrieben habe: Der direkte Weg ist selten frei. Manchmal verschwindet er sogar ganz. Was dann bleibt, ist genau das, was Parkour einem beibringt – nicht stehen bleiben, sondern einen anderen Weg suchen. Also ist ParkourONE für diesen Sommer ins Elbsandsteingebirge ausgewichen. Leider konnten wir wegen bereits gebuchter Spots an der Westküste Frankreichs nicht mit.

 

Heldenreise

Klar ist, dass ich ohne Parkour oder ein ähnliches Hobby aufgewachsen bin. Das hatte mehr als einen Grund – und das bekommt vielleicht mal einen eigenen Eintrag in dieses Logbuch.

Das schönste Geschenk für mich am Vatersein: Ich erlebe Kindheit noch einmal neu. All die kleinen Momente, in denen meine Jungs strahlen, versuche ich in mir zu tragen. Ich sehe, dass Parkour für Lio nicht bloß ein Freizeitangebot ist. Er ist richtig glücklich und fühlt sich darin zu Hause. Dieses Thema vom gesunden Geist im gesunden Körper – das zeigt sich bei ihm ganz deutlich. Er ist ein Kind, das in seinem Körper angekommen ist – und seinen Körper immer wieder mitnimmt in jede neue Herausforderung. Dieses Gefühl, dass das Unmögliche tatsächlich existiert, scheint ihm fremd zu sein. Schön zu erleben, wie das eigene Kind diese Wahrheit in sich verankert – mit jedem neuen Sprung.

Ob Parkour am Ende meinem Jungen das richtige Mindset gibt … das lässt sich heute nicht eindeutig klären. Dafür ist das Leben zu groß. Aber schon jetzt fühlt es sich für mich so an, als wäre ich ganz nah an einer Heldenreise.

 

Mehr über ParkourONE oder ein Probetraining: parkourone.com

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Parkour Fontainebleau 2025 – Jugendliche augf einem Felsen im Gegenlicht
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Parkour Fontainebleau 2025- Freude beim Suchen nach dem nächsten Spot.
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Besprechungen bei ParkourOnE von letzten Details im Wald.
Kind springt von einer Felskante zur anderen.

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